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RELATIVE STABILITÄT IN UNSTABILEN ZEITEN

1850 - 1914

Die Anziehungskraft der Gemeinde Männedorf ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht sehr stark; die Bevölkerungszahlen wachsen nur unwesentlich. Es scheinen aber auch nicht allzu viele Menschen dem Ort den Rücken gekehrt zu haben (1860: 2444 Einwohnerinnen und Einwohner, 1910: 2997 Einwohnerinnen und Einwohner). Allerdings sind die präzisen Wanderungsbewegungen noch nicht ausgewertet - es liegt keine Wanderungsbilanz vor. Vermutlich verzeichnet auch Männedorf, wie die meisten ländlichen Gemeinden, eine leicht Abwanderung Richtung Grossstadt, doch dürfte diese Bewegung relativ bescheiden gewesen sein. Diese mutmassliche, relative Stabilität ist deshalb bemerkenswert, weil der Kanton Zürich in den Jahren 1850 bis 1914 ausserordentlich starke Wanderungsbewegungen verzeichnet. Es ist die Periode der grössten Landflucht und des massivsten Städtewachstums. Die industriellen Arbeitsplätze in der Landschaft gehen wegen des Niedergangs der Baumwoll- und Seidenindustrie zu einem erheblichen Teil verloren, die Landwirtschaft befindet sich in der grössten Krise des 19. Jahrhunderts, und die Menschen hoffen auf eine bessere Zukunft in der Stadt. Männedorf und seine Umgebung aber scheinen der erwerbstätigen Bevölkerung in der ganzen Periode eine ansprechend grosse Anzahl Arbeitsplätze und entsprechend genügende Sicherheit geboten zu haben. Das bestätigt auch ein Blick auf die Wirtschaftsstruktur. Diese zeigt sich gemäss den heute vorliegenden Erkenntnissen relativ stabil. Die Landwirtschaft bleibt der mit Abstand wichtigste Erwerbszweig und dürfte über 30 Prozent der Bevölkerung beschäftigt haben. In und um Männedorf entstehen verschiedene mittelständische Fabriken, so dass der Anteil der in der Industrie beschäftigten Männedörfler steigt. Einen wachsenden Anteil machten zudem die in Dienstleistungsberufen tätigen Personen aus, wobei hier im ganzen Kanton besonders viele Frauen - z.B. als Haushalthilfe - eine Stelle fanden. Die für Männedorf wichtigste Fabrikeröffnung ist wohl die Gerberei mit Lederfabrikation. Der gewiefte Seidenfabrikant Emil Staub erkennt rechtzeitig, dass Seide keine Zukunft hat, und steigt in die neue Branche ein. Die "Gerbi" wird später zur bedeutendsten Gerberei der Schweiz. Allerdings: Die neuen Leitindustrien der Schweiz, die Metall- und Maschinenindustrie sowie die Chemie, kommen nicht nach Männedorf. Allenfalls siedeln sie sich, wie im Fall der Chemischen Fabrik Uetikon, direkt an der Gemeindegrenze an. Bild: Die "Gerbi", die Leder- und Kunststofffabrik Staub & Co. AG, prägt während mehr als hundert Jahren den Dorfeingang von Männedorf.


 

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