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Verwirrliche Gerichtspraxis

1405 - 1831

"1494, November 25. In festo S. Catharinae.
Barnabas von Sax, Pfleger und Convent zu Einsiedeln, kauffen von Melchior, Abt und Convent zu Pfäfers, mit Bewilligung der 7 Orte, das dem Gotteshaus Pfäfers eigene Gut und den Zehenden zu Männedorf, mit aller Herrlichkeit, Gerechtigkeit, Eigenschaft, Kilchensatz, Lehenschaft, Zehnden, klein und gross, Zins, Rent und Gült, Fähl und Gläss, Trotten, Haus und Hof, Leut und Gut, mit Grund und Grädt, mit Wun und Weid, Ehaften und Losungen."

Mit dieser Urkunde wird das Kloster Einsiedeln zu einem Hauptdarsteller auf Männedorfs Bühne. 1494 übernimmt es für 4000 Gulden sämtliche Rechte des finanziell schwer angeschlagenen Klosters Pfäfers und vervollständigt so seinen Besitz am rechten Zürichseeufer. Damit ist die Führungsriege komplett, die das Fischotterdorf von nun an während fast 400 Jahren prägen wird: Die staatliche Gewalt hat die Stadt Zürich inne, die grundherrlichen und kirchlichen Rechte liegen beim Kloster Einsiedeln, und vor Ort ist die dörfliche Führungsschicht präsent, die sich nach und nach einen gewissen Spielraum erarbeiten kann.

Verwirrend war die damalige Gerichtspraxis in Männedorf. Die niedere und die hohe Gerichtsbarkeit liegen beim Zürcher Rat respektive bei dessen Stellvertreter, dem Männedörfler Obervogt. Leichtere Gesetzesverstösse werden in Männedorf abgehandelt, schwere Verbrechen wie Mord, Raub und Diebstahl, die unter Umständen mit dem Tod bestraft werden, kommen vor den Zürcher Rat. Im Bemühen, die Macht in seinen Händen zu konzentrieren, zieht der Stadtstaat aber immer mehr Aufgaben an sich. Zunächst übernimmt er die Aufsicht über die Ehegerichte, dann über die Zins- und Zehntgerichte und weitere grundherrliche Rechte. Das Kloster Einsiedeln kann sich aber eine recht grosse Eigenständigkeit bewahren. Die Rechte gegenüber seinen Gotteshausleuten – also jenen Bauern, die Leibeigene des Klosters sind und sein Land bewirtschafteten – werden nicht angetastet.

Jedes Jahr finden unter dem Vorsitz von sechs Richtern grosse Gerichtsverhandlungen statt, bei denen sämtliche Dorfeinwohner anwesend sein müssen. Jeweils acht Tage vor den Gerichtsverhandlungen werden sie aufgeboten. Wer nicht erscheint, wird gebüsst.
Am Anfang wohnen die Obervögte diesen Jahresgerichten bei, später delegieren sie den Gerichtsvorsitz öfters an ihren Untervogt. Rechtshändel im Zusammenhang mit grundherrlichen Angelegenheiten werden in der Kanzlei des Landschreibers erledigt. Zivilrechtliche Fragen kommen vor das Wochengericht, das vermutlich im Gemeindehaus abgehalten wurde.


Bild: Ein Dorfgericht im Mittelalter, gemalt von Diepold Schilling dem Jüngeren anfangs des 16. Jahrhunderts.

Dorfgericht im 16. Jahrhundert
 

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