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18.07.2018 20:29:50


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Von der Cortaillod- zur Schnurkeramikkultur

4600 v. Chr. - 1600 v. Chr.

Den spannenden Seeufersiedlungen zum Trotz: Die Archäologie geht davon aus, dass die Seeufer eher spät besiedelt worden sind. Die ersten sesshaften Menschen sollen bereits früher an Stellen, die nicht von ständigen Überschwemmungen bedroht waren, Dörfer gebaut haben – in Männedorf also beispielsweise auf einer der Terrassen. Diese Dörfer waren von unterschiedlicher Grösse und bestanden seit dem 5. Jahrtausend vor Christus aus kleinen, eng gestellten Häusern, die wie eine Kaserne ein-, zwei- oder mehrzeilig angeordnet waren. Ihre schmale Seite war in der Regel zum Wasser ausgerichtet. Eine Palisade schirmte das Dorf landseitig als Oval ab. Ob es eine solche Siedlung in Männedorf gegeben hat, ist nicht bekannt. Die Jungsteinzeit teilt sich in verschiedene Kulturen auf. Die älteste, auf die man um den Zürichsee stösst, ist die Cortaillod-Kultur, die sich von der Westschweiz her ausbreitete und ab dem Beginn des 4. Jahrtausends vor Christus dominant war. Die mit vielen offenen Fragen verbundene Siedlungsstelle beim Strandbad Männedorf gehörte möglicherweise zu dieser Kultur, die die feinste und filigranste Keramikkunst hervorbrachte. Von hier stammt auch der schönste neolithische Fund auf dem Gemeindegebiet, ein reich verziertes Gefäss, das vom deutschen Bodenseeraum nach Männedorf importiert worden war. Die Fundstellen Langacher, Weieren und Surenbach zählen zur Pfyner Kultur, die um 3900 vor Christus vom Bodenseeraum an den Zürichsee drang. In dieser Zeit wurden die Verzierungen an den Gerätschaften schlichter, die Gefässe einfacher. Typisch für diese Kultur war die gewerbsmässige Produktion von Werkzeugen und Waffen aus Silex, dem so genannten Feuerstein. Der Siedlungsplatz Ziegelhüttenhaab schliesslich wird der Horgener Kultur zugerechnet, die auf 3000 vor Christus datiert wird. Möglicherweise war dieser Ort auch später noch besiedelt, nämlich dann, als die Schnurkeramik-Kultur dominierte, die sich in ganz Mitteleuropa durchzusetzen vermochte. Zwischen 2800 und 2700 vor Christus, an der Schwelle zur Bronzezeit, wird die schlichte Horgener Kultur von der elaborierteren Schnurkeramik-Kultur verdrängt. Es ist eine Zeit des Umbruchs, der ein grosser Entwicklungsschub folgt. Die Gefässe erhalten elegantere Formen und werden mit eingepressten Schnüren verziert. In Männedorf hat man bis heute keine Spuren gefunden, die sich zweifelsfrei dieser Kultur zuordnen lassen. Erst aus der Spätbronzezeit, die etwa 1200 vor Christus begann und rund 400 Jahre dauerte, sind wieder Funde bekannt. Reste eines Dorfes aus dieser Zeit fand man sowohl bei einem Siedlungsplatz vor dem Männedörfler Strandbad als auch an der Stelle, wo die Bergstrasse in die Seestrasse einmündet. Bild: An der Fundstelle Strandbad kamen unter anderem diese zwei Krüge zum Vorschein, die sehr schön die Entwicklung der Keramik dokumentieren. Das Gefäss links stammt aus der Schussenrieder Kultur, jenes rechts aus der Cortaillod-Kultur.

Pfahlbauer Keramik Männedorf
 

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