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17.01.2018 20:57:49


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Steuern, Bussen, Zehnten - der mittelalterliche "Finanzhaushalt"

1405 - 1831

Zwischen 1467 und 1471 ermittelt der Stadtstaat Zürich von jedem Ort die Steuerkraft und hält sie in Steuerlisten fest. Mit einem Steuerertrag von mehr als 0.5 Pfund pro steuerpflichtige Person bewegt sich Männedorf, zusammen mit den anderen Gemeinden am Zürichsee, in der obersten Kategorie. Dazu dürfte der damals florierende Rebbau einiges beigetragen haben.

Die Erhebung von Steuern ist im Spätmittelalter dem Stadtstaat vorbehalten, der dieses Finanzierungsinstrument aber nur bei speziellen Gelegenheiten nutzt. Die wichtigste Einnahmequelle des Obervogtes sind Bussengelder, die den Menschen wegen allem und jedem aufgebrummt werden, sei es nun wegen einer Schlägerei oder eines Beischlafs vor der Ehe. Tüchtig schenken auch die Auszugs- und ab dem späten Mittelalter die Einzugsgebühren ein. Wer aus Männedorf wegzieht oder dorthin zieht, muss happige Summen hinlegen. Ausgaben fallen hingegen nur wenige an. Die Obervogtei muss etwa die Huldigungsfeiern berappen, zudem geht ein Teil der Bussengelder als Prämie an den Ober- und den Untervogt.

Das Kloster Einsiedeln wiederum schöpft seine Einnahmen als Grundherr in Form des grossen und des kleinen Zehnten ab. Der grosse umfasst den zehnten Teil der Getreide- und Weinernte, der kleine Zehnte die Abgaben auf Heu, Gemüse, Obst, Hanf und Flachs. Ursprünglich wird der ganze Zehnte in Naturalien beglichen. Im 16. Jahrhundert versuchen aber viele Dörfer, auf Geldzahlungen zu wechseln. Auch die Männedörfler stellen 1526 dem Kloster den Antrag, den kleinen Zehnten künftig in harter Währung begleichen zu dürfen. Der Stellvertreter des Abtes in Pfäffikon willigt ein und verfügt, dass Männedorf hinfort zehn Zürcher Pfund überweisen solle. Die Einnahmen verwendet das Kloster zum einen für sich selbst, zum anderen, um den Leutpriester (Dorfpfarrer) zu entlöhnen, die Kirche zu unterhalten und die Armen zu unterstützten.

Neben dem Zehnten kennt man auch den Fahl, den die Erben beim Tod eines Lehensbauern an das Kloster abliefern müssen, zum Beispiel das beste Rind oder die fetteste Sau. Sowohl der Zehnte als auch der Fahl sind oft umstritten. Beim Zehnten beschuldigt der Abt die Männedörfler regelmässig, dem Kloster zu geringe Mengen abzuliefern, ein Vorwurf, der sicher stichhaltig war. Den Grundherrn übers Ohr zu hauen, gehörte im Mittelalter zu den beliebten Volkssportarten. Flog der Betrug auf, wurden die Lehensbauern allerdings tüchtig zur Kasse gebeten.

Die Zehntpflicht bestand bis in die Moderne wurde erst nach der liberalen Revolution 1831 aufgehoben.


Bild: Das Kloster Einsiedeln, hier auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1735, war jahrhundertelang der grösste Grundherr in Männedorf.

Kloster Einsiedeln 1735
 

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