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Konflikte führen zu dörflicher Identität

1350 - 1500

Grosse Landwirtschaftsflächen wie die Wälder und die Allmend werden in Männedorf, wie anderswo auch, kollektiv bewirtschaftet. Eine Vielzahl strenger Vorschriften sorgt dafür, dass sie nachhaltig genutzt werden. Der Wald als Lieferant von Bauholz, Brennstoff, Rohmaterial für Geräte, Wildfrüchten und Winterfutter soll nicht übernutzt werden. Und die als Weide verwendete Allmend soll bei Versorgungsengpässen auch als Pufferzone dienen, in der man vorübergehend Feldfrüchte anbauen kann. So bestimmt die Dorfgemeinschaft jeweils die Anteile der einzelnen Bauernbetriebe an den Kollektivgütern und wählt einen Dorfhirten, der die Herde auf die Allmend treibt.

Die vielen Absprachen und Regeln, welche die Bewirtschaftung des kollektiven Raumes begleiten, wirken sich stark auf die Bildung der dörflichen Identität aus. Während die Bauern im Hochmittelalter sich noch in erster Linie an den Bedürfnissen ihres Lehnherrs orientierten, beginnen sie sich nun vermehrt als eigenständige Dorfgemeinschaften zu verstehen und zu organisieren. Dass die weltlichen und kirchlichen Herren physisch immer weniger vor Ort präsent sind, trägt ebenfalls zu dieser Entwicklung bei. Es ist ein Prozess, der von zahlreichen Nutzungskonflikten sowohl im Dorf selber als auch zwischen den Dörfern begleitet ist. Dabei geht es stets um Rechte: Welcher Dorfbewohner hat das Recht, sein Vieh auf die Weide zu treiben? Wer erhält einen Anteil am Holz des Waldes, wer nicht? Wo genau verläuft die Grenze zwischen zwei benachbarten Orten? Bei der Lösung solcher Streitigkeiten wurden zahllose offene Fragen geklärt, Normen festgelegt, Grenzen klar gezogen und Rechte eindeutig definiert.

Auch aus Männedorf sind zahllose solche Streitfälle bezeugt. So erzwangen beispielsweise 1487 die Pfarreien Männedorf und Stäfa die präzise Ausscheidung ihrer Gebiete vor Gericht. Die Lösung all dieser Konflikte kittete den inneren Zusammenhalt des Dorfes und definierte die Grenze gegen aussen.


Bild: Gerichtsurkunde aus dem Jahr 1553 zu einem Holzhändel in Männedorf.

Holzhändel
 

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