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23.10.2018 03:22:57


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Die Pfahlbauer in Männedorf

4600 v. Chr. - 1600 v. Chr.

Im Winter 1843/1844 finden Arbeiter bei der Vertiefung der Schiffseinfahrt in die Schützenhaab Knochen, Hörner, Steinbeile und andere Gegenstände, die offensichtlich viele Jahre hier gelagert haben. Die Erforschung der Ur- und Frühgeschichte der Menschheit steckt in der Schweiz damals noch in den Kinderschuhen. So vermutet der Präsident der Antiquarischen Gesellschaft des Kantons Zürich zunächst, beim Fund, bestehend aus "Knochen von Thieren und Hörner, mancherlei Geräthschaften und eine Menge sehr schön erhaltener Steinbeile" handle es sich um "die Reste einer uralten Gerberei".

Zehn Jahre später baut Männedorf die Seestrasse. Der Wasserpegel im Zürichsee ist wegen einer aussergewöhnlichen Trockenperiode auf einen absoluten Tiefststand gesunken. Als die Arbeiter aus dem feuchten Seeboden bei Meilen Material für Landaufschüttungen ausstechen, stossen auch sie auf Pfosten, Knochen, Werkzeuge und anderes mehr. Jetzt sind die Experten überzeugt, dass es sich bei beiden Stellen um die Spuren der vermutlich ersten Menschen am Zürichsee handelt, um die Überreste einer keltischen Siedlung. Ein Zeitungsbericht über die Funde löst national und international ein gewaltiges Echo aus. Ein wahres Pfahlbaufieber bricht aus, das mehrere Jahrzehnte lang anhält. Damals wird die Legende geboren, dass die ersten Menschen in der Schweiz ihre Dörfer auf Pfählen über dem See gebaut hätten, um so den Gefahren der Umgebung zu trotzen.

Neben der Stelle im Langacher werden auf dem Gemeindegebiet Männedorfs noch vier weitere einstige Seeufersiedlungen entdeckt. Die zweite wird 1858 bei der Einmündung des Surenbachs in den Zürichsee ans Licht gefördert. An der ersten im Langacher kommen 1865 nochmals zahlreiche Pfähle, viele grosse Steinbeile, Scherben von Gefässen, Geräte aus Horn und Knochen und – ganz speziell – der Griff eines metallenen Gusstiegels zum Vorschein. 1923 stossen Archäologen bei der Weieren auf eine dritte neolithische Siedlung mit zahlreichen Pfählen. Jetzt wird auch die Legende der wehrhaften Pfahlbauer-Dörfer revidiert: Verschiedene Funde beweisen, dass die meisten Siedlungen am Ufer, vermutlich im Feuchtgebiet zwischen dem See und dem trockenen Land, gebaut worden sind. Die Pfähle und Planken dienten der Sicherung und Stabilisierung des Untergrundes.

In den 1970er-Jahren erschliesst die Kantonsarchäologie beim Männedörfler Strandbad eine vierte und an der Grenze zu Stäfa eine fünfte Fundstelle (Ziegelhüttenhaab). Jene beim Strandbad gilt als die interessanteste, weil sie sehr ertragreich ist und unter anderem ein vollständig erhaltenes, reich verziertes Gefäss hergibt. Doch im Vergleich zu anderen Fundorten sind die von Männedorf wenig ertragreich und für die Archäologen deshalb von sekundärem Interesse. Trotzdem tauchen im Fischotterdorf immer wieder interessante Fundstücke aus der Jungsteinzeit auf, so beispielsweise 2006 bei der Sanierung des Langacherbaches.

Ob alle diese Spuren von den ersten Menschen in Männedorf stammen, weiss man nicht. Eines ist jedoch sicher: In der Jungsteinzeit, dem so genannten Neolithikum, sind die Menschen überhaupt erst sesshaft geworden. Gut möglich, dass schon vor ihnen einige nomadierende Jäger und Sammler durch unsere Gegend gestreift sind.


Bild: An diesen Stellen wurden in Männedorf Überreste von Pfahlbauerdörfern gefunden.

Die Pfahlbauer in Männedorf
 

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